Jagd mit Hundemeute im Kreis Warendorf fuer Kinder mit Behinderungen

Beitrag von Henrich Berkhoff (Movement Method Trainer und Gruender Green Care Farms)

Zum ersten Mal bei uns auf dem Hof, zum ersten Mal im Kreis Warendorf und zum ersten Mal überhaupt fand ein traditioneller englischer Sonntag mit einer Jagd der Hundemeute im inklusiven  Setting statt.

Keiner der Beteiligten konnte sich überhaupt daran erinnern oder hatte jemals davon gehört, dass es eine solche Veranstaltung, eine „inclusive Fuchsjagd“ jemals schon gegeben hätte. Eine Weltpremiere also.

  Am 1. Oktober 2022 trafen sich nach langer langer Vorbereitung die Beteiligten zu einer traditionellen englischen Bloodhound Jagd auf dem Hof Von Henrich und Gitti Berkhoff. Vorausgegangen waren einige Wochen der Vorbereitungen, mussten unzählige Telefonate und Besuche Besprechungen, Planungen und vor allen Dingen Trainings gemacht werden.

 Dass ihre Pferde sehr sicher mit den Klienten und Nutzern agieren wusste Gitti, was aber jetzt nun alles dazu kam konnte im Vorfeld keiner so richtig einschätzen.

  Die Pferde mussten vieles neues kennen lernen (Raus aus ihrer Komfortzone), sie waren auch nicht mehr ganz alleine, daneben gab es jetzt auch mehr Begleiter. Hinzu kamen dann noch die Fremdreiter mit ihren Pferden  und vor allen Dingen eine Hundemeute. Die so genannten Bloodhounds heißen so auf Grund ihrer reinrassigen Linie und sie zeichnet sich aus durch ihre sehr sehr feine Nase mit der sie eine Spur aufnehmen und absolut sicher  Folgen können. Gerade diese Hunde machen die traditionelle alte englische Jagd aus. Sie können sowohl Pferde, wie auch andere Spuren verfolgen. Als Vorgabe reicht Ihnen ein Taschentuch mit dem Geruch eines Pferdes. Zuvor werden  mit dem Tuch  die Hufe und die Beine des Tieres abgestrichen. Dem Geruch dieses Tuches folgen die Hunde, nachdem das entsprechende Pferd zuvor die verschiedenen Spuren (Lines) gelegt hat.

 Wie kam es überhaupt dazu so eine Veranstaltung durchzuführen?

Der Gründer der HorseBoy Methode war und ist ja bekanntlich seit seiner Jugend viele englische jagten geritten und hatte sein liebstes Hobby zeitweise aufgeben müssen , da er für seinen Sohn Rowan nach Lösungen und Möglichkeiten suchte ihm  in unserer Gesellschaft ein auskommen zu ermöglichen. Er hatte in seinem Kopf auch die englische Jagd die häufig von „Besser gestellten Menschen“  durchgeführt wurde auch mal für Menschen mit Handikap erfahrbar zu machen. Mit dieser verrückten Idee traf er auf einen nicht minder verrückten:  Henrich!  Dieser fand  es schon immer spannend und herausfordernd, Dinge neu für Menschen mit Behinderungen auszuprobieren und zu ermöglichen. Er stellt sich nicht die Frage „OB wir das machen?“ sondern die Frage „WIE wir es machen können“. Nun sieht Mann was dabei herauskommen kann wenn man sich auf die Suche nach Möglichkeiten macht.

 Eine englische Jagd mitten in Deutschland , echt einmalig.

Zuvor wurden die sogenannten Lines besichtigt und besprochen , umgelegt und neu ausgedacht.

Viele Hindernisse wurden gebaut und da sie nur aus Naturmaterialien bestehen, können sie später an Ort und Stelle verbleiben. Nur über die Höhen war man erst unterschiedlicher Auffassung ?was aber an Ruperts Vorstellungen aus England lag und das ist ja schon ein wenig her. Die letzten Sprünge wurden dann rechtzeitig noch  im Dunkeln am Vorabend fertig.

Nun kam der Tag, und es wurde ein Regenfreies Wetterfenster ab Beginn der Jagd vorhergesagt und das kann vorweggenommen werden , es passte Genau!!!

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Jedoch das wichtigste spielte sich  im Vorfeld bei Gitti ab. Ihre Pferde waren bombproof aber in diesem Setting kannten sie es (noch) nicht und auch nicht ihre Reiter aus der Förderung mit dem Pferd. Das hieß also im Vorfeld wurde jeder Teilnehmer von ihr auf der „Line“ eingeübt.  So gab es also schon viel Spannung beim Training.

Diese Spannung steigerte sich bis zum Jagdtag und die Vorfreude wuchs.

Also mit dem Wetter passte es, danke an die dafür Verantwortlichen bei Petrus?

Die Jagd konnte beginnen.

Zum Jagdtag begrüßte Henrich im Namen seiner Familie die Gäste, die Weser Hunt Meute von Fiona und ihre Jagdreiter, Er bedankte sich, wie auch Rupert, für die Bereitschaft und das offene Denken, eine solche Veranstaltung durchzuführen. Ja viel  mehr noch, sie sahen es als …. Chance, den Kindern und Jugendlichen ein unvergessliches Erlebnis zu ermöglichen. Dazu brachten sie extra auch die Nachwuchshunde mit, mit denen alle Beteiligten nachher knuddeln durften. Nach der Begrüßung erzählte Rupert, wie glücklich er heute sei, dass sein lange gehegter Traum endlich wahr wird. Er bedankte sich bei Henrich und Gitti und bei der Meuteleiterin Fiona.

Nun ging es aber wirklich los. Mit einem Tuch wurden zwei Hufe und zwei Beine des Pferdes, welches die line legen sollte abgerieben.  Dazu kam noch ein Pferd aus der Gruppe von Gittis Reitern. Dann setzte sich die große Gruppe mit den Reitern und Pferden und den Begleitern in Bewegung um die line zu legen. Die Aufregung und Spannung war förmlich zu sehen.  Jeder achtete auf jeden und konzentrierte sich auf das Umfeld, keiner durfte seine Aufgabe vergessen.  Bei dieser Konzentration und hohen Aufmerksamkeit war alles gespannt Bis dann ein Lied von Rupert angestimmt wurde“ what do you want… I want a Pint Sir“ jetzt kam auch die Lockerheit zur Freude hinzu .

Es ging jetzt vom freien Feld in den Wald jeder musste auf seine Füße achten wo er hintrat und gleichzeitig auf den Reiter achten glücklicherweise hatten wir viele viele Helfer als sideWalker dabei, die schon in den Vorjahren als Praktikantinnen bei Gitti dabei waren und wussten worauf es  ankommt. Die Hindernisse wurden im Wald umgangen. Dann ging es hinaus auf die Wiese zum nächsten Waldstück das gequert werden musste. So ging es dann wieder in den großen ersten Wald zurück, um dann am östlichen Ende die Line  auf eine Wiese zum Endpunkt zu führen. Erst mit dem Erreichen des Endpunktes  und nach dem Abstieg von den Pferden bekamen die Verfolger mit ihren Hunden das Startzeichen. Die Meute stürmte mit lautem „Geläut“ los. Sie nahmen die Spur auf und schossen vor lauter Eifer über die erste Abbiegung hinweg, es wurde aber kein Problem. Sie strömten aus und als der erste Hund wieder den Geruch „saint“ in die Nase bekam, gab er „Laut“ und alle folgten ihm dann in die korrekte Richtung in den Wald. Die Meute machte eine super Arbeit und die Reiter hatten allerhand zu tun Ihnen durch den Wald folgen zu können. Auch über die nächste Wiese und den anschließenden Wald hatten sie guten Vorsprung erst beim letzten Wald konnten die Reiter ihre Hunde wieder einholen, um dann gemeinsam beim Endpunkt anzukommen. Die Hunde wurden gelobt und wieder gekoppelt.

Gitti war erleichtert und glücklich, alle ihre Pferde hatten einen großartigen Job gemacht. Alle Helfer hatten einen großartigen Job gemacht und vor allen Dingen haben alle ihre Kinder es so einfach und selbstverständlich abgeliefert und dadurch super viel für sich mitgenommen. Echt einmalig was alles so möglich werden kann.

Die Profis ritten noch drei weitere Lines und alle restlichen Teilnehmer wechselten vom Pferd auf den Treckeranhänger und verfolgten das weitere Geschehen direkt in Feld und Flur.

Eine große Einmalige Aktion lag nun  erfolgreich hinter uns. Es wurden unvergessliche Momente kreiert. Einmalige Erlebnisse fanden heute ihren Anfang.

Beim anschließenden, traditionellen englischen Picknick mit Portwein und Thunfisch Sandwich, konnten sich alle stilecht stärken und es fand ein reger Austausch über die Erlebnisse statt.

Alle, wirklich alle Beteiligten waren restlos zufrieden und jeder wünschte sich eine Fortsetzung in den kommenden Jahren.

Euer Henrich

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